Happy Camper – Das Leben im Motorhome

Neun Tage, vier Freunde und unser liebgewonner Camper von Road Bear. Auf mehr oder weniger engstem Raum haben wir geschlafen, gekocht und doppelt so viel gelacht.

Ich muss zugeben ich war mir selbst nicht sicher ob ich die Richtige fürs Camping bin.

Auch Freunde und Familie äußerten sich im Vorfeld der Reise etwas skeptisch über mein Vorhaben abseits von gewohnten 4 und 5 Sterne Hotels zu residieren. Ja ich kann eine Luxustussi sein. Umgekehrt bin ich aber ziemlich situationselastisch – also flexibel – und kann mich durchaus auch mit weniger Komfort abfinden. Wichtig dabei ist immer nur, dass ich mich vorab darauf einstellen kann und weiß was ungefähr auf mich zukommt. Im Rahmen unserer Urlaubsplanung war ein Motorhome eigentlich von Anfang Teil. Nach vier Tagen San Francisco im Hotel sind wir mit dem Mietauto den Highway No.1 runter bis Las Vegas gefahren. Dort haben wir den Camper von Road Beer übernommen und den Zion, Bryce, Antelope und Grand Canyon auf diesem Weg bereist und auf ganz besondere Art erlebt. Schon nach den ersten zwei Tagen haben wir alle inklusive mir mächtig Spaß am Camping gefunden.

Der Camper (vulgo Motorhome, vulgo RV)

Ich muss natürlich dazu sagen, dass wir uns ein ziemlich großes und auch luxuriöses Motorhome für unser USA Abendteuer geleistet haben. Nachdem wir dieses zu viert bewohnen wollten, durfte oder musste es groß sein. Wichtig war uns, dass wir zwei fixe Schlafplätze im Camper haben und nicht beispielsweise die Essecke jeden Tag umbauen müssen. Und wir wollten ein Slide out. Das ist der seitlich ausfahrbaren Teil eines Motorhomes und vergrößert die Breite des Innenraums durch seitliches Herausfahren um einen guten halben Meter. Kling vielleicht wenig, ist aber deutlich und vor allem positiv spürbar.

Der A32 SlideOut von Road Bear RV erfüllte dabei all unsere Anforderungen und noch mehr. Soviel vorneweg: das Teil ist riesig: 32 Fuß, also 10 Meter lang, 2,65 Meter breit und 4 Meter hoch. Anmerkung: Das Monstrum darf mit einem normalen B-Führerschein gelenkt werden. Amerika ist anders. Mr. T, mein Mann und Fahrer, hatte beim ersten Sichtkontakt dann doch kurz Muffensausen ob der gigantischen Ab- bzw. Ausmaße.

Unsere „Wohneinheit“ verfügte über ein Badezimmer mit Duschkabine, WC und Waschbecken. Übrigens gleich groß wie das Badezimmer im Hotel in LA. Somit ausreichend und vollkommen in Ordnung. Des Weiteren hatten wir ein abgetrenntes großes Schlafzimmer mit extra Flatscreen und einem großen Bett, eine Küchenzeile mit Kühlschrank (inkl. Gefrierbereich), Gasherd samt Backrohr, Mikrowelle, Spüle, Toaster, Kaffeemaschine und Geschirr. Dann war da die Fahrerkabine und darüber liegend das elektrisch ausfahrbare zweite Schlaflager, das über eine kleine Leiter erreichbar war. Dieses war laut dem zweiten Pärchen zwar ein bisschen beenget und nicht ganz so einfach zu erreichen, aber sehr gemütlich! Die Sitzecke im Wohnbereich war für uns vier perfekt und eine kleine Couch gab es obendrauf. Dieses RV Modell bietet prinzipiell Platz für max. 6 Erw. + 2 Kinder. Für uns vier somit luftig und komfortabel. Ich muss ganz ehrlich sein, zu sechst oder acht könnt ich es mir allerdings nicht vorstellen.

Klimaanlange und Heizung ebenfalls vorhanden und war auch beides im Einsatz. Die Temperaturunterschiede sind nicht zu unterschätzen: So hatten wir bei der Abfahrt in Las Vegas noch über 30 Grad, während es im Monument Valley und im Grand Canyon nächtens bei Minus 3 Grad sogar geschneit hat.

Die Übernahme

Innerhalb von 90 Minuten sind die Papier ausgefüllt und das Motorhome mitsamt seinen technischen Feinheiten innen und außen erklärt. Die Mitarbeiter von Road Bear RV waren allesamt sehr nett und haben uns Camper-Newbies professionell betreut. Unter anderem bekommt erklärt wie die Anschlüsse an Strom und Wasser funktionieren, wie Black- und Greywater – das Abwasser und Schmutzwasser – abzulassen sind, wie der Gasherd in der Küchenzeile funktioniert, auf was man beim Einparken achten soll (auf Supermarktparkplätzen beispielsweise immer über vier Parkplätze einparken, damit man nicht zugeparkt werden kann), wie das Tanken von Statten geht, etc. Dinge wie Handtücher und Bettwäsche bekommt man gegen eine Bereitstellungsgebühr dazu. Auch die Campingstühle und der Klapptisch müssen extra geliehen werden. Diese braucht man aber eigentlich nicht, da jeder Stellplatz am Campingplatz über eine Sitzgarnitur und Feuerstelle fürs BBQ verfügt.

Wir machen es uns heimelig

Nachdem wir unseren Kofferinhalt in den Schränken und Kästen des Campers verstaut hatten, ging es auch schon los. Stauraum gibt es definitiv genug. Im Innenbereich wird jede verfügbare Stelle mit Kästen, Schränken und Schubladen genutzt.

Vom Stauraum im Badezimmer könnte sich so manches Hotel ein Scheibchen abschneiden.

Die leeren Koffer, größere bzw. sperrigere Sachen werden in von außen zugänglichen Stauräumen untergebracht. Erste Anlaufstelle war ein Wall Mart. Schließlich waren wir die nächste Woche als Selbstversorger unterwegs. Dabei handelt es sich um den Interspar Amerikas, nur um ein vielfaches größer. Nicht umsonst stehen neben den normalen Einkaufswagen elektrische Wägelchen, damit die weiten Gehwege nicht zu Fuß zurückgelegt werden müssen. Vorab haben wir schon besprochen was wir die acht Tage so kochen wollten und eine entsprechende Einkaufsliste vorbereitet. Der erste Großeinkauf beinhaltete von Gewürzen, über Käse und Wurst, Kaffee, Getränke, Brot, Fleisch, Fischstäbchen bis Eis, Gemüse und Obst, Klopapier, Grillkohle und Süßigkeiten einfach alles was man von früh bis spät so zum Leben braucht. Nachdem Kalifornien schon sehr kostenintensiv und die Aussicht auf Las Vegas nicht minder besser war, war klar, dass wir uns die acht bzw. neun Tage wirklich großteils vom Frühstück übers Mittag- bis zum Abendessen selbst versorgen wollten.

Campgrounds

Wild Campen ist in den USA nicht. Heißt man darf mit seinem RV nur auf Campgrounds also Campingplätzen campieren. Diese haben wir schon von zu Hause aus, nach dem die Routenplanung feststand, gebucht. Einige wenige Campingplätze gibt es in den USA, die nach dem Prinzip first come first served arbeiten und somit nicht im Vorfeld reserviert werden können.  Wir haben folgende gewählt.

  • Zion Nationalpark (2 Nächte: Zion Canyon RV Resort Spring)
  • Bryce Canyon (2 Nächte: Ruby’s Inn RV Park Bryce Canyon)
  • Antelope Canyon (1 Nacht: Wahweap RV & Campground)
  • Monument Valley (1 Nacht: Campingplatz: The View Campground)
  • Grand Canyon (2 Nächte: Grand Canyon RV Campground)

Bis auf den Campground im Grand Canyon waren alle gepflegt, sauber und gemütlich. Einzig der erwähnte Campingplatz war dringend sanierungsbedürftig und ziemlich lieblos. Am besten gefallen hat uns der Zion Canyon RV Resort Spring.

Vielleicht weil es der erste war, vielleicht weil die Nachbarn so nett waren, aber dort war die Atmosphäre einfach so gemütlich.

Wir haben draußen unter unserer Markise gegrillt und gegessen, die Restrooms und Duschmöglichkeiten waren gleich ums Eck. Also Happy Camper Life. Was ihr bei den Campingplätzen noch beachten müsst, ist die Art des Stellplatzes. Als Full Hook-Up wird ein Stellplatz bezeichnet, der vollständig mit Anschlüssen ausgestattet ist, also Strom-, Frisch- und Abwasseranschlüsse. Auch WLAN, direkt auf dem Stellplatz empfangbar, wird immer häufiger angeboten, teils sogar ohne Aufpreis. Oft sind diese Stellplätze deutlich teurer als weniger gut ausgestattete, machen einem das Camperleben um einiges leichter. Bei den anderen Stellplätzen lebt man quasi autark mithilfe des Generators und den Wassertanks.

Restrooms & Laundry

Am Campingplatz verteilt findet man mehrere kleine Gebäude mit den Restrooms inkl. Duschen und so hatten wir eigentlich nie wirklich weit vom Camper zu gehen (zwischen 50 bis 200 Meter). Nur zwei Mal haben wir im Camper geduscht ansonsten immer am Campground. Die Duschkabinen und WCs sind großteils sehr sauber und wirklich mehr als ok. Einzig mehr Ablagefläche und Haken würde ich mir in den Kabinen wünschen. Wo glauben die denn das man seine Sachen hintut? Pro Duschvorgang bezahlt man durchschnittlich 2 Dollar in Form von Quarters. Dafür kann man dann zwischen 6 und 10 Minuten duschen. Mehr als genug!

Nicht nur wir mussten gewaschen werden, sondern auch unsere Wäsche: Unterwäsche, Wanderklamotten und Handtücher. Auf jedem Campground findet man im Haupthaus bzw. gleich nebenbei eine Laundry, ausgestattet oftmals mit ca. 20 Waschmaschinen und 20 Trocknern. Auch hier braucht man wieder jede Menge Münzen. Das Waschmittel kostet für einen Waschgang ca. 1,5 Dollar, die Benutzung der Waschmaschine nochmal 2 Dollar und auch für den Trockner sind nochmal 2 Dollar zu bezahlen. Die Funktionsweise der Maschinen ist gut beschrieben und es wird angegeben wie lange der Wasch- bzw. Trockenvorgang dauert. Also alles echt easy!

Das Fahren

Zu diesem Thema kann ich leider nicht viel sagen. Ich lass mal meinen Mann sprechen, der uns 1.000 Meilen insgesamt sicher mit dem Camper chauffiert hat.

Nach dem ersten Anblick des Campers an der Station von Road Bear hatte ich sehr großen Respekt, da ich in Österreich lediglich einen Führerschein der Gruppen A & B besitze und daher auch noch nie ein Fahrzeug über 3,5 Tonnen gelenkt habe. Die Maße von ca. 10 Meter Länge, 3 Meter Breite (inkl. Außenspiegel) und 4 Meter Höhe waren eigentlich furchteinflößend und kurzzeitig dachte ich mir: Weshalb haben wir nur so ein riesiges Fahrzeug gebucht. Die ersten Meter von der Vermietstation zum Walmart konnte ich nur mit sehr hohem Puls zurücklegen. Das Fahren war bis auf wenige Störungen durch den Wind sehr angenehm und ich konnte mich auch gemütlich auf die Fahreigenschaften unseres RV einstellen. Während der ersten 50 Meilen habe ich meine Augen aber mehr auf den Rückspiegel gerichtet als auf die Straße vor mir, denn nur am Blick in den Spiegel konnte ich anfänglich erkennen, ob ich das RV auch wirklich in der Fahrspur bewegte. 

Zwei Tage später machten wir uns auf den Weg zum Bryce Canyon und es hat mich absolut erstaunt, dass nach ca. 100 Meilen Fahrt bereits eine Routine einkehrt und das Lenken des Campers zur Gewohnheit wurde. Ich kann daher nur jedem empfehlen, auch ein Fahrzeug mit diesen Dimension zu mieten, da die Straßen und die Parkmöglichkeiten sehr großzügig und vor allem die Verkehrsteilnehmer sehr rücksichtsvoll sind. Vor allem die Hilfestellung anderer „Profi Camper“ möchte ich auch hervorheben. Am Campground wird immer geholfen, wenn „Europäer“ zb. mal wieder Schwierigkeiten damit haben, die Markise einzufahren oder keine Ahnung vom Grillen auf Kohlen haben!

Kostenübersicht Camping

Die acht Nächte im Camper haben uns folgendes gekostet:

  • Miete Camper mit 1.500 Freimeilen: 1.500 Dollar
  • Campgrounds: 400 Dollar
  • Bereitstellungsgebühr Camper: 200 Dollar
  • Lebensmitteleinkauf: gesamt 600 Dollar
  • Tanken: 350 Dollar

Gesamtkosten: 762,50 Dollar pro Person: Alles durch vier geteilt waren die Campingtage gut und günstig!

Mein Fazit

Ja ich bin ein Happy Camper.

Die Nationalparks und die vier Bundesstaaten auf diese Art zu bereisen, war definitiv die richtige Entscheidung.

Insbesondere zu viert hat es großen Spaß gemacht. Angefangen beim gemeinsamen Frühstückmachen, übers Grillen bis zum abendlichen Zusammensitzen in der Sitzecke bei Gin & Tonics. Die Aufgaben waren gut verteilt und so haben wir uns auch auf engstem Raum immer gut verstanden und nicht ein Mal gestritten oder uns angezickt. Einen großen Teil zum Happy Camper Life hat natürlich auch das luxuriöse und große RV Modell von Road Beer beigetragen. Allerdings würde ich Städte wie San Francisco, Santa Barbara, L.A. oder Las Vegas nicht mit dem Camper machen wollen. In und rund um Städte möchte ich den Komfort eines Hotel genießen. Ob es nur zu zweit auch so viel Spaß macht, kann ich nicht einschätzen.

Puh ganz schön umfangreich geworden der Blogbeitrag, aber als Camper-Frischling gab es einfach so viel zu erzählen. Im nächsten Beitrag nehme ich euch dann mit in die beeindruckenden Nationalparks und berichte euch wie mir Las Vegas gefallen hat. #staytunned

Und keinesfalls die Reiseversicherung vergessen!

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1 Comment

  • Wow Silvia, der Camper ist ja reiner Luxus und bietet mehr als manches Hotelzimmer. Da hätte ich es auch ausgehalten. Campen ist ja auch nicht so meins, aber damit hätte man mich auch rumkriegen können. Ich verstehe es auch, dass man vor dem Koloss zuerst Respekt hat, aber ihr seid ja heil überall angekommen und die Bilder sprechen für sich
    Liebe Grüße

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