Mein Dosha ist Vata – Ayurveda Schnupperkur im Parkschlösschen

Die Bahnfahrt entlang der Mosel von Koblenz nach Traben-Trabach zeigt mir schon, dass ich mich in einem Weinbaugebiet befinde. Links und rechts die Steilhänge, allesamt mit Weinreben bepflanzt. Später erfahre ich, dass es sich um eine weltbekannte Riesling Region handelt. Traben-Trarbach war vor dem Ersten Weltkrieg nach Bordeaux das wichtigste Weinhandelszentrum der Welt.  Aufgrund der Steilhänge und des Schiefers sind die Weinreben auf den insgesamt 135ha Weinlagen mit Sonne und Wärme gesegnet und geben daher einen besonderen Riesling ab.

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Traben-Trarbach

Die Jugendstilstadt Traben-Trarbach mit knapp 6.000 Einwohnern ist meine Endstation. Jugendstil deshalb weil sich damals jeder Winzer der etwas auf sich hielt vom bekannten Berliner Architekten und Baumeister Möhring eine schicke Villa eben im Jugendstil errichten ließ. Auch ein bisschen Wiener Sezessionsstil und Neobarock findet man. Herzallerliebst fällt mir dazu nur ein.

Nun bin ich aber nicht zum Weintrinken hier in Rheinland-Pfalz. Sondern um Körper, Geist und Seele etwas Gutes zu tun. Und dabei haben anscheinend weder Wein, noch Kaffee, noch WLAN etwas verloren.

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Ayurveda im Parkschlösschen

Ehemals ein Fachwerkhaus und später schon als Bäderhaus geführt, ist das Parkschlösschen heute mit seinem Jugendstilanbau (Möhring-Zubau genannt), eine Art Kuranstalt. Im 5 Sterne Parkschlösschen etwa 25 Gehminuten vom Ortszentrum Traben-Trarbachs entfernt, hat man sich ganz der Ayurvedischen Lehre verschrieben. Seit über 20 Jahren kommen die Gästen hauptsächlich für die 10-tägige Pancharkama Kur – eine spezielle Entgiftungskur. Ich bin hier zum Alltags-Break und um ein bisschen Ayurveda-Luft zu schnuppern. Nachdem ich Yoga praktiziere, mich vegetarisch ernähre und durchaus versuche auf meinen Körper und Geist zu achten, empfahl mir eine Journalisten-Kollegin Karin das Parkschlösschen. Wohl auch weil ich neugierig ob ihrer morgendlichen Routine geworden bin. Was es mit Zungenschaben, Ölziehen und heißes Wassertrinken auf sich hat, wird mir nun in meinen vier Tagen in dem kleinen Hexenhäuschen, wie ich meinen Rückzugsort insgeheim bezeichne, gelehrt.

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Nebenprodukt Digital Detox

Wie ich bei der Hausführung erfahre wird meine Ayurveda-Schnupperkur gleichzeitig zur Digital Detox-Kur, denn WLAN gibt es im ganzen Haus keines. Lediglich in einem kleinen Raum mit zwei Laptops kann ich online gehen. Okay warum nicht. Unter dem Motto „Ich bin dann mal raus“ habe ich mich noch von meinen Facebook Freunden und Followern verabschiedet.

Und wisst ihr was, Whats App & Co haben mir die vier Tage nicht wirklich gefehlt.

Schlimm war der Kaffeeentzug, der sich prompt an Tag zwei mit Kopfschmerzen bemerkbar gemacht hat. Ja Genussmittel aller Art (Alkohol, Kaffee, Zigaretten, Drogen und Fleisch) entsprechen nicht den vedischen Gesichtspunkten. Ich kann euch sagen beim Spaziergang ins kleine Örtchen war der Geist noch stark, aber der Körper zeigt sich schon schwächlich beim Vorbeilaufen an Cafés mit WLAN Verheißung. Im Nachhinein stolz und froh, hab ich der Versuchung widerstanden und bin zurück zu meiner Tasse Vata-Tee und meinem Buch ins Parkschlösschen.

Me, myself & Vata

Mein zweiter Termin nach der Hausführung führt mich zu Dr.Bigus, dem Ayurveda-Mediziner im Haus. Vor meiner Anreise schon musste (durfte) ich einen ‚Fragebogen zu meiner geistigen und körperlichen Gesundheit ausfüllen. Mittels diesem und einer Puls- und Zungendiagnose wurde dann mein Dosha, also mein Ayurveda Typ, bestimmt. Wie ich erfahre bin ich mit meinem schlanken Körperbau, den feingliedrigen Händen, den ständigen kalten Füßen und Händen, meiner nicht rund laufenden Verdauung und meiner ständigen Rastlosigkeit (um nur einige Merkmale zu nennen) zu stark im Vata. Dieses gilt es nun auszugleichen und Vata, Pitta und Kapha wieder in Einklang zu bringen.

Im Parkschlösschen hab ich nun also den Vata Stempel aufgedrückt.

Das heißt meine Behandlungen egal ob Massage, Kur, Getränke und selbst Kosmetik werden auf mein Dosha individuell abgestimmt.

Kreuzkümmel-Ingwer-Aperitif

Ich greife also in meiner Zeit hier zur Vata-Teekanne. Überall stehen sie, die Teekannen gefüllt mit Ingwerwasser (darf ich als Vata-Typ beispielsweise nur vormittags trinken), Vata-, Pitta- oder Kaphatee, Kardamom-Fenchel-Tee und und und. Allen gemein ist die Temperatur. Heiß oder zumindest warm.

Kalte Getränke sind der Feind und Gott oder wohl eher Budda bewahre uns vor Eiswürfel.

Die Leber und unsere sämtlichen Verdauungsorgane mögen es einfach warm, daher starte ich jeden Tag auch mit einem Glas heißem Leistungswasser aus meiner zimmereigenen Teekanne, die von fleißigen Heinzelmännchen tagsüber immer wieder frisch gefüllt wird. Schon morgens stehen im Flur die frischen Kannen. Ein ungewohntes Bild für einen Hotelflur.

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Mein persönliches Highlight war aber das Essen. Großteils vegan, mit derartiger Kreativität gekocht, zubereitet und angerichtet, dass es für mich als Vegetarier, der gewohnt ist sich in Restaurants und Hotels von Gemüselaibchen, Kasnocken und allerlei anderem faden Gemüsegerichten zu ernähren, ein wirklich und wahrhaftiger Hochgenuss war. Zum Frühstück gab es jeden Tag einen warmen Getreidebrei mit Fruchtkompott. Mal war es Buchweizen mit Reis und Ananaskompott, mal Haferflocken mit Amaranth und Apfel- Ingwerkompott, mal Hirse mit Weizenpops und Pflaumen-Papaya-Kompott. Herrlich überhaupt wenn man es nicht selbst zubereiten muss. Nachdem man sich in einem 5 Sterne Haus befindet und nicht alle Gäste die strenge 10-tägige Pancharkama Kur mitmachen, findet man in einem der beiden Restaurantsäle auch ein „klassisches“ Frühstücksbuffetangebot mit Croissant, Brötchen, Marmelade, Honig, frischem Obst und Gemüse, Gemüseaufstriche auf Sojabasis und einem frisch gemachten Smoothie. Allerdings kein Käse und keine Wurst.

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But first das Dessert

Mittags wurde die Hauptmahlzeit serviert. Generell sollte die Hauptmahlzeit zu Mittag eingenommen werden (Memo an mich: zuhause darauf achten). Diese bestand aus vier Gängen, allesamt bunt, abwechslungsreich, herrlich gewürzt und schön anzusehen. Vorneweg immer ein heißes Kreuzkümmel-Ingwerwässerchen im Schnapsglas. Gestartet wird dann in der Ayurvedaküche übrigens mit dem Dessert. Denn Süßes ist schwerer zu verdauen und sollte damit zu Beginn gegessen werden. Der Mensch als Gewohnheitstier gewöhnt sich wohl auch an das. Aber ich bin gespannt auf die Blicke der Kellner in den österreichischen Wirtshäuser, wenn ich mit Kaiserschmarrn starte und danach die Suppe und das obligatrische Gemüselaibchen wähle.

Das Wort Nachtisch wird somit im Ayurveda wie ich feststelle adabsurdum geführt.

Abends gibt es 2 Gänge mit kleinen Portionen und dennoch werde ich satt. Den gekocht wird so, dass alle sechs Geschmacksrichtungen in der Mahlzeit ( süß, sauer, salzig, scharf, bitter, zusammenziehend) angesprochen und befriedigt werden.

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Und sonst so?

Was ich die restliche Zeit so gemacht habe? Das Yoga-, Meditations- und Bewegungsangebot habe ich genutzt. Das reicht von 2-3 Yogaeinheiten täglich über geführte Spaziergänge und Pranayamaübungen (Atemübungen). Außerdem durfte ich meine erste Synchronmassage erleben. Vishesh eine Ganzkörper-Öl-Synchronmassage wird mit Druck und Tempo ausgeführt, und ist im ersten Moment doch etwas ungewohnt, aber danach wunderbar entspannend.  Mehr noch entspannt hat mich die Naturkosmetik-Behandlung. Signature Treatment sind die drei eigens und mit der Naturkosmetiklinie ILA entwickelten Pitta, Vata und Kapha Facials. Für mich heißt es also Vata. Ganze 90 Minuten werden Gesicht, Hals und Dekolleté mit mit bio-aktiven Wirkstoffe bearbeitet. Den Wellnessbereich mit Thermalbad und zwei Saunen registriere ich zwar, aber ob der nüchternen und doch sehr an Kurhaus erinnernden Gestaltung, halte ich mich dort nicht auf. Das super ausgestattete Fitnessstudio sagt mir da schon mehr zu.

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Ayurveda Lifestyle Coaching

Im Rahmen meines Aufenthaltes konnte ich auch an diversen Vorträgen teilnehmen. Zum Beispiel gab es einen ausführlichen Vortrag von Dr. Bigus über die Darmgesundheit, sowie Vorträge über die Integration des Ayurvedischen Lebensstils im Alltag sowie vom Koch eine kleine Gewürzkunde. Nachdem der Zuspruch der Gäste darüber mehr als positiv ist und war, wird mittlerweile auch ein spezielles Lifestyle Coaching angeboten.

In dem vom Ayurveda Parkschlösschen entwickelten Ayurveda Lifestyle Coaching wird den Teilnehmern in sieben oder kompakt in drei Tagen theoretisch und praktisch beigebracht,  wie man den ayurvedishen Lebensstil einfach effektiv und nachhaltig  in seinen Alltag integriert  um ihn voller Energie und Lebenslust zu managen.

Von 10. bis 21. Jänner 2017 findet eine 12-tägige Kombi – Panchakarma Kompakt & Ayurveda Lifestyle Coaching – statt.

Mit Heim nehme ich nicht nur das super Lunchpaket, das übrigens umwelfreundlich daher kommt! #noplastic.

Ich konnte einiges an Informationen sammeln. Dazu werde ich auch nochmal einen extra Blogbeitrag verfassen. Generell bin ich überzeugt von Ayurveda und seinem Wirken und werde künftig versuchen die vedischen Grundpfeiler in meinen Alltag bewusst zu integrieren. Zauberwort ist hier: Schritt für Schritt und Müssen muss man gar nichts. Im Ayurveda sind alles Empfehlungen!

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4 Comments

  • Hallo Silvia
    So eine Auszeit und zurück zur Balance ist heutzutage sehr wichtig und finde ich super. Das Konzept und auch das „Hexenhäuschen“ gefallen mir sehr gut
    Liebe Grüße

  • Liebe Silvia, toller Bericht. Ich bin ja absoluter Fan seit meiner eigenen Fastenkur von solchen Abschalten und Entschlackungswochen. Nach so einer Woche kann man seinem Leben so richtig viel neuen Schwung geben und gute Sachen (bei mir wars wieder weniger Salzkost) in seinen Alltag bringen. LG Doris

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