Roadtrip Ungarn-Serbien-Montenegro-Albanien-Kroatien-Slowenien

Ein Gastbeitrag von Katharina Übleis.

Meine Freundin Katharina macht immer solche Sachen. Keine 08/15 Urlaube. Von 4-Sterne Hotels und Pauschaltourismusdestinationen will sie so wenig wissen wie von fertig ausgearbeiteten Tagesprogrammen. Sie reist individuell, manchmal glaube ich sogar fast planlos und was mich am meisten beeindruckt – sie reist furchtlos. Zum Beispiel war sie mit ihrer besten Freundin 3 Wochen im Oman und fuhr dort mit dem Mietauto vom Norden in den Süden. Oder aber 3 Wochen Indien. Ebenfalls mit besagter Freundin und dort als Backpacker unterwegs, ohne Mietauto sondern unterwegs mit öffentlichem Verkehr. Ein bisschen neidisch bin ich auf ihre Abenteuer ja schon…

Katharina Übleis

Dieses Jahr sollte es bei Katharina keine Flugreise sein. Das erklärte Ziel war benachbarte Länder mittels Roadtrip zu bereisen. Die Route führte von Ungarn nach Serbien, in das Landesinnere Montenegros, an die Küste Albaniens, retour an die Küste Montenegros, weiter nach Kroatien und über Slowenien zurück nach Linz.

Genächtigt wurde ausschließlich auf Campingplätzen oder in Hostels. Reisebudget: 750 Euro pro Person. Reisedauer: 3 Wochen. Insgesamt bestand die kleine feine Reisegruppe aus vier Personen. Zurück gekommen sind allerdings nur drei.

Serbien: Zwischen Kriegsdenkmälern und Campingplatz-Feiern 

Serbien – ein Land mit prägnantem Charakter, ein Land mit traumhafter Natur, ein Land mit Einwohnern, die mir immer in Erinnerung bleiben werden. In Serbien findet man jede Menge Waldflächen, den wunderschönen Tara Nationalpark in der Nähe von Bajina Basta und das sehr sympathische Belgrad. Aber auch höchstes Risiko im Straßenverkehr!

Belgrad

Belgrad

Viele Kriegsdenkmäler sind zu sehen und erinnern an den 2. Weltkrieg oder an den Jugoslawienkrieg. Ein architektonisch herausragendes Denkmal ist in der Nähe von Uzice. Es ist das bedeutendste und größte Monument in Serbien, das den Kampf gegen den Faschismus im 2. Weltkrieg symbolisiert.

Belgrad_Blick von der Festung auf das Flussdelta von Sava und Donau

Belgrad: Blick von der Festung auf das Flussdelta von Sava und Donau

Auf diesem Hügel in Kadinjaca leistete das Arbeiterbataillon Widerstand gegen den Einmarsch der deutschen Truppen. Dort zu stehen und zu begreifen was sich abspielte, lies uns alle ehrfürchtig werden.

Kadinjaca Denkmal

Kadinjaca Denkmal

Wir lernten bald die trinkfeste Mentalität kennen und stellten uns, ohne Widerstand zu leisten, darauf ein. Von unseren Campingnachbarn wurden wir bereits am ersten Abend herzlich willkommen geheißen und eingeladen ihnen Gesellschaft zu leisten. Sehr praktisch für uns, denn wir lernten sogleich auf serbische Weise zu feiern. Weder Alter noch Herkunft spielten dort auf dem Campingplatz eine Rolle. Von 12 bis 75 Jahre wurde bis in die frühen Morgenstunden gefeiert und getanzt!

Camping

Camping

Von da an sagte man uns „Feel like home – do what you want“. Ein befreites Gefühl machte sich unter uns breit. Wir genossen die bedingungslose und ungezwungene Aufnahme in deren Gruppe.

Sie arrangierten für uns sogar ein Schlauchboot für die bevorstehende „Drinska Regatta“. Und schon waren wir bei diesem Großevent der ganz besonderen Art dabei! Für uns und weiteren 1.500 Teilnehmer ging es 30 Kilometer am Drina Fluss abwärts. Die Wegzehrung war klarerweise Bier. Am Endpunkt angekommen wurde entweder per Auto zurück gestoppt oder man versuchte mit dem heillos überfüllten Bussen an den Ausgangspunkt zurückzukommen. Ein sehr amüsantes Unterfangen 🙂

Am Abend führten uns unseren neuen Freude auf das Most Fest. Das hat mit unserem heimischen Most nichts zu tun, sondern heißt übersetzt „Brückenfest“. „Dejan Petrovic Big Band“ lieferten eine musikalische Glanzleistung und beendeten ihr Set mit Raige Against the Machine und Rammstein. Mit so einer Songauswahl hatten wir beim Willen nicht gerechnet.

Am Most Fest -Brückenfest

Am Most Fest -Brückenfest

Höhenluft in Montenegro

Nach fünf intensiven Tagen verabschiedeten wir uns von Serbien und machten uns etwas geschwächt auf den Weg nach Montenegro! Dort jagte ein Highlight das andere!

Das kleine Land verfügt über 6 Nationalparks! Ein El Dorado für jeden Bergfex! Die nächsten Tage standen ganz klar im Zeichen der Höhenluft und der Aussicht! Wir entschieden uns für das Durmitor Gebirge.

Montenegro_Endpunkt_Eisehöhle

Montenegro: Endpunkt Eisehöhle

Hier drängen sich 48 Gipfel mit über 2.000m Höhe auf einer kompakten Fläche von 390 km² aneinander und zahlreiche grüne, blaue und schwarze Gletscherseen blinzeln aus den von der Tara tief gegrabenen Betten hervor.

Montenegro_Durmitor_TaraBrücke

Montenegro: Durmitor TaraBrücke

Wir schlugen unsere Zelte in der höchstgelegenen städtischen Ansiedlung des Balkans – in Zabljak auf (1.455m). Das Camp Ivan Do liegt am Fuße des Bobodov Kuk – dem höchsten Berg im Durmitor Nationalpark. Streckte ich in der Früh meinen Kopf aus dem Zelt, bot sich mir der herrliche Anblick des Bobodov!. In der Nacht hieß es eng aneinander schlafen, da es ziemlich kühl wurde.

Wir erklommen die Crvena Greda (Rote Wand), erkundeten die Ledena Pecina (Eishöhlen) auf ca. 2.200m, wanderten zum Schlangensee, zippten mit dem Flying Fox auf 152m Höhe über die Tara Schlucht und paddelten mit dem Kajak über den Crno Jezero!

Flying Fox über die Tara Schlucht

Flying Fox über die Tara Schlucht

Wir wussten, das Sahnehäubchen der montenegrinischen Berglandschaft stand uns noch bevor. Also ging es mit großer Vorfreude auf in den Biogradska Nationalpark, wo der größten Canyon Europas – die Mrtvica Schlucht – auf uns wartete.

Mrtvica Schlucht

Mrtvica Schlucht

1.100 Meter tief schneidet diese Schlucht in die Landschaft! Hier muss man ohne GPS Signal und ohne Handyempfang auskommen. Ein Gewitter überraschte uns und brachte eine ganz besondere Stimmung in den Canyon. Es hieß Nerven bewahren.

Sündenabwaschen in Albanien

Wir beschlossen die Reise nach Albanien fortzusetzen und machten uns am Abend auf den Weg. Aktivurlauber mit Pioniergeist finden hier noch einige unerschlossene Felder. Das Verhalten der Verkehrsteilnehmer bzw. die Straßenbeschaffung waren noch um ein großes Stück trickreicher als in Montenegro: Spaziergänger auf der Autobahn, Kühe, Pferde, jede Menge unbeleuchtete Radfahrer und teilweise sehr schlechte Straßen erfordern Geduld und höchste Konzentration. Das Non plus ultra für Jung und Alt ist der Benz! Fährst du einen Benz bist du dabei – wo auch immer…(Bilder vom Verkehr)

Verkehrsteilnehmer1

Verkehrsteilnehmer in Albanien

Die Landschaft verändert sich hin zu flacheren Gefilden und die Straßenbeleuchtung wird rar. Der Grenzbeamte empfing uns äußerst freundlich und wir machten unseren ersten Stopp in Shkoder, eine der größten Städte im kleinen Albanien.

Shkoder

Shkoder

Wir hatten noch keine Bleibe und das anvisierte Hostel war leider bereits ausgebucht. Die äußerst freundliche Dame an der Rezeption namens Selma bot uns ihre Hilfe an. Sie sprach überraschender Weise Deutsch und tätigte einige Anrufe für uns um noch freie Zimmer ausfindig zu machen. Wieder freuten wir uns so sehr über diese selbstverständliche Hilfsbereitschaft! Schließlich wurden wir von Sefi abgeholt. Er begrüßte uns mit einem kräftigen Handschlag und schon fuhren wir im Konvoi los. Er führte uns zum Hostel „Mi Casa es tu Casa“, das von einer ca. 50 jährigen Dame namens Alma mit Herzblut nachhaltig und fein säuberlich geführt wird. Wir checkten in einem Dorm ein und fühlten uns von Minute eins an wohl! Wir hatten für die nächsten Tage eine neue Bleibe gefunden.

Willkommen in Shkoder

Willkommen in Shkoder

Von dort aus fuhren wir mit einer Reisegruppe in einem alten Schulbus zum Komani Lake – einem riesengroßen türkisblauen See in Nordalbanien, der zum Schluss in einem Fluss endet. Dieser Flussauslauf hat lediglich ca. 15 Grad Wassertemperatur; ist also nix für „Warmduscher“. Dort hat man die Möglichkeit seine Sünden abzuwaschen – so sagt es der Volksmund. Wir nutzten die Gunst der Stunde und „wuschen“ uns mehrmals.

Komani Lake

Komani Lake

Die Gegend um den See ist äußerst dünn besiedelt – sprich vielleicht 5 kleine Häuser. In einem davon wurden wir von der dort ansässigen Familie bekocht und aßen unter Weinreben herrliches Essen! Eintopf, selbstgemachten Käse, Hammelfleisch, selbstgebackenes Brot, diverses Gemüse und natürlich Schnaps.

Essen bei Einheimischen

Essen bei Einheimischen

Albanien bietet eine wunderschöne schier endlos lange Sandküste. Nach ca. zehn Tagen konnten wir endlich Strand und Salzwasser in Shenjin und Velipoje Rrjoll am Drin Golf genießen.

Albanien Strandbuffet

Albanien Strandbuffet

Da wir mangels Beschilderung und mangels der Wegweis-Künste der Einwohner keine Herberge finden konnten, erlaubte uns der Restaurantbesitzer vom Ibiza Resort Velipoje Rrjoll in seinem Garten unsere Zelte aufzuschlagen. Dankend nahmen wir das Angebot an und erfreuten uns am frühen Morgen über exklusives Baden im Meer.

Aufwachen im Restaurantgarten

Aufwachen im Restaurantgarten

Durchgehend war das Essen in Albanien von hervorragender Qualität! Die Küche ist aufgrund des italienischen Einflusses mediterran. Die Pizzen, Salate, Risottos etc. schmecken ausgezeichnet! Österreichische Gastronomiebetriebe können hierbei oft nicht mithalten!

Kotor & Die Gruppe schrumpft

Von Albanien wieder Richtung Montenegro ging es nur mehr zu dritt weiter, da der vierte im Bunde beschloss seinen Aufenthalt in Albanien zu verlängern. Unser nächstes Etappenziel war Kotor. Man könnte sagen, die kleine Schwester Dubrovniks. Wir nächtigten direkt in der wunderschönen Altstadt im rustikalen Hostel Old Town, das ich wirklich wärmstens weiterempfehlen kann.

Kotor Altstadt

Kotor Altstadt

Eine 50 Kilometer lange Radtour entlang der inneren Bucht von Kotor stand mit gemieteten Fahrrädern ins Haus. Sie ist der größte Fjord südlich von Skandinavien.

Montenegro/Kotorbucht: Radtour

Montenegro/Kotorbucht: Radtour

Gott sei Dank konnten wir uns immer wieder im Meer abkühlen, da es an diesem Tag gefühlte 1.000 °C hatte. Mit den Autofahrern, die einem beim Überholen selbstverständlicher Weise knapp schnitten, mussten wir uns ebenfalls arrangieren. Natürlich durfte eine Stippvisite beim Yachthafen von Montenegro nicht fehlen. Aus Budgetgründen blieb es hier bei einem Kurzbesuch und wir setzten unsere Strampelei fort. ;).

Montenegro Yachthafen

Montenegro Yachthafen

Nächstes Etappenziel Kroatien-Dubrovnik

Von Kotor aus sind es grade mal zwei Autostunden. Doch lange hielten wir uns dort nicht auf, weil die Altstadt überdurchschnittlich stark besucht war. Die Kreuzfahrtschiffe brachten Lawinen von Tagestouristen, die Preise waren horrend und somit war für uns klar, nach einem Espresso das Weite zu suchen. Eindeutig ist Kotor, speziell in den Sommerferien die bessere Alternative.

Dubrovnik

Dubrovnik

Die restlichen paar Tage standen nur mehr Sonne, Strand und glasklares Meerwasser im Fokus. In Zaostrog/Süddalmatien fanden wir einen ausgesprochen charmanten Campingplatz. Das Autocamp Uvala borova bietet Holzbungalows, Stellplätze und Zeltplätze, ist in direkter Lage zum Kiesstrand und vom Biokovo-Gebirge, das uns ein angenehmes Klima bescherte, flankiert.

Kroatien: Dalmatien

Kroatien: Dalmatien

Wir waren rundum glücklich und zufrieden. Die letzten drei Tage frönten wir im Zadar Nationalpark in Mitteldalmatien unseren Sonnenhunger und brachen danach schweren Herzens – entlang der Küstenstraße – auf in Richtung Österreich.

Mitteldalmatien: Letzter Sonnenuntergang

Mitteldalmatien: Letzter Sonnenuntergang

Ganz nach dem Zitat von Oscar Wilde „Reisen veredelt wunderbar den Geist und räumt mit all unseren Vorurteile auf“ hat dieser Trip meine Wahrnehmung der Schönheit dieser Länder und ganz besonders meine Wahrnehmung der Zwischenmenschlichkeit veredelt.

 

 

 

 

 

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